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Paarberatung oder Paartherapie: was braucht ihr wann?

Von Meryem Erkan · Veröffentlicht am

Der Unterschied liegt nicht darin, was anspruchsvoller ist, sondern worauf es sich richtet. Paarberatung arbeitet an dem, was zwischen zwei Menschen in der Gegenwart abläuft. Psychotherapie behandelt die Erkrankung oder die tiefere Verletzung einer Person. Wer das eine braucht und das andere bekommt, verliert Monate.

Ich biete Paarberatung an, keine Therapie. Dieser Text wird deshalb manche von euch woanders hinschicken, und das ist Absicht.

Der Unterschied in der Sache

Paarberatung nimmt die Bewegung zwischen euch beiden in den Blick. Wer tut was, wenn der andere was tut. Sie arbeitet in der Gegenwart, ist meist auf wenige Sitzungen angelegt und setzt voraus, dass beide grundsätzlich handlungsfähig sind.

Psychotherapie behandelt eine Erkrankung oder eine Belastung, die eine Person in sich trägt. Depressionen, Angststörungen, Folgen von Gewalt, eine Trauer, die nicht weitergeht. Sie dauert in der Regel länger, sie geht in die Geschichte zurück, und sie findet meistens mit einer Person statt.

Dazwischen liegt eine Grauzone. Wer eine Paartherapie anbietet, arbeitet oft an derselben Dynamik wie eine Beratung, meist über einen längeren Zeitraum.

Die Gegenüberstellung

Paarberatung Psychotherapie
Gegenstand die Dynamik zwischen zwei Menschen Erkrankung oder Belastung einer Person
Wer ist dabei beide meist eine Person
Zeitrichtung Gegenwart, konkrete Situationen auch Vergangenheit und Entstehung
Dauer wenige Sitzungen, oft vier bis zehn Monate bis Jahre
Voraussetzung beide sind handlungsfähig und wollen etwas verändern erhebliches Leiden oder eine Diagnose
Kosten privat zu zahlen bei Diagnose in der Regel über die Krankenversicherung
Zugang kurzfristig möglich oft mit Wartezeit
Wofür sie gedacht ist wenn ihr euch im Kreis bewegt und beide bleiben wollt wenn eine Person etwas braucht, das eine Beziehung nicht leisten kann

Die letzte Zeile ist die, auf die es ankommt. Es gibt keine Rangfolge, sondern zwei verschiedene Werkzeuge.

Die Fragen, die ihr vor einem Termin stellen solltet

In diesem Feld arbeiten Menschen mit sehr unterschiedlichen Ausbildungen, und die Bezeichnungen sagen dir darüber wenig. Deshalb ist es sinnvoll, vorher zu fragen. Das ist üblich und niemand nimmt es übel.

  • Welche Ausbildung haben Sie gemacht, bei wem und über welchen Zeitraum?
  • Wie lange arbeiten Sie schon mit Paaren?
  • Wie läuft eine Sitzung bei Ihnen ab?
  • Bei welchen Themen arbeiten Sie nicht und verweisen weiter?

Die letzte Frage ist die aussagekräftigste. Wer auf alles Ja sagt, hat seine Grenzen nicht geklärt.

Für meinen eigenen Fall: Ich bin Paarberaterin, arbeite seit acht Jahren mit Paaren und habe in dieser Zeit rund 500 Paare begleitet. Meine Weiterbildung zur Paarberaterin hat zwei Jahre gedauert, dazu kommt eine Weiterbildung zur Einzelberaterin. Ich behandle keine psychischen Erkrankungen und verweise weiter, wenn so etwas im Raum steht. Wenn etwas therapeutisch behandelt werden muss, sage ich das und verweise weiter.

Wann Beratung das Richtige ist

  • Ihr führt seit Monaten oder Jahren denselben Streit und kommt nicht heraus.
  • Einer macht dicht, die andere kommt nicht mehr heran.
  • Ihr habt euch auseinandergelebt und wisst nicht, wo ihr anfangen sollt.
  • Nach der Geburt eines Kindes hat sich alles verschoben.
  • Ihr wollt beide bleiben und braucht Werkzeuge, nicht eine Deutung.

Das Kennzeichen: Das Problem liegt zwischen euch, nicht in einem von euch.

Wann Therapie das Richtige ist

  • Einer von euch hat eine Diagnose oder vermutet eine.
  • Es gibt Gewalt in der Vorgeschichte oder ein Trauma.
  • Jemand kommt über Monate nicht aus einer Erschöpfung oder Schwere heraus.
  • Es gibt Suchtverhalten.
  • Eine Person braucht einen Raum für sich, in dem die Partnerschaft nicht im Mittelpunkt steht.

Das Kennzeichen: Das Problem würde auch bestehen, wenn die Beziehung morgen endet.

Beides gleichzeitig ist möglich und oft sinnvoll. Eine Person in Psychotherapie und das Paar in Beratung schließt sich nicht aus. Beide Seiten sollten nur davon wissen.

Wann nichts von beidem reicht

Es gibt Situationen, in denen beides der falsche Weg wäre, und das sage ich deutlich.

Bei Gewalt, körperlich oder in Worten. Bei systematischer Abwertung. Bei Kontrolle darüber, mit wem du sprichst, wohin du gehst oder worüber du verfügst. Wenn du von deinen Menschen ferngehalten wirst.

Dort gibt es keine gemeinsame Dynamik, an der zwei gleichberechtigt arbeiten können. Gemeinsame Sitzungen können in dieser Lage sogar schaden, weil sie der betroffenen Person Dinge abverlangen, für die sie anschließend zu Hause bezahlt.

Ich nehme solche Paare nicht an. Was es braucht, ist eine Stelle, die auf Schutz ausgerichtet ist.

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 116 016 erreichbar, auch wenn du nur reden und sortieren willst.

Die Frage nach dem Geld

Psychotherapie wird bei einer Diagnose in der Regel von der Krankenversicherung übernommen. Paarkonflikte allein sind keine Erkrankung, deshalb ist Paarberatung eine private Leistung.

Was es daneben gibt und was viel zu selten genannt wird: Ehe- und Familienberatungsstellen, getragen von Kommunen, Kirchen oder Wohlfahrtsverbänden. Die Beratung dort ist kostenlos oder kostet einen kleinen Beitrag, es gibt sie in fast jeder größeren Stadt, und die Beraterinnen und Berater sind ausgebildet.

Wenn Geld der Grund ist, warum ihr zögert, dann ist das der Weg, den ich empfehlen würde. Ein Termin dort ist deutlich besser als ein Jahr, in dem nichts passiert.

Was ich dir mitgeben möchte

Die Frage, die dich wahrscheinlich hierhergeführt hat, lautet nicht wirklich Beratung oder Therapie. Sie lautet: Ist das bei uns schlimm genug, dass wir uns Unterstützung holen dürfen?

Darauf ist meine Antwort immer dieselbe. Du gehst zum Arzt, weil du ein Ziel hast, nämlich gesund zu sein. Niemand fragt dabei, ob es schlimm genug ist. Eine Partnerschaft wirkt auf jeden Bereich deines Lebens, auf den Schlaf, die Arbeit, die Kinder, auf dich selbst.

Warum sollte man dort erst investieren, wenn kaum noch etwas übrig ist.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Paarberatung und Paartherapie?

Beratung arbeitet an der Dynamik zwischen zwei Menschen in der Gegenwart und ist meist auf wenige Sitzungen angelegt. Psychotherapie behandelt eine Erkrankung oder tiefere Verletzung einer Person, geht in die Geschichte zurück und dauert länger.

Woran erkenne ich, was wir brauchen?

Daran, wo das Problem liegt. Zwischen euch beiden spricht für Beratung. In einem von euch, und zwar so, dass es auch nach einer Trennung bestehen bliebe, spricht für Therapie.

Was sollte ich vor einem Termin fragen?

Nach der konkreten Ausbildung, nach der Erfahrung mit Paaren, nach dem Ablauf einer Sitzung und danach, bei welchen Themen die Person nicht arbeitet und weiterverweist.

Zahlt die Krankenkasse Paarberatung?

In der Regel nicht, weil Paarkonflikte keine Erkrankung sind. Günstig oder kostenlos sind Ehe- und Familienberatungsstellen von Kommunen, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden.

Können wir beides gleichzeitig machen?

Ja, und oft ist das sinnvoll. Eine Person in Therapie und das Paar in Beratung schließt sich nicht aus.

Wann reicht keines von beiden?

Bei Gewalt, Kontrolle oder systematischer Abwertung. Gemeinsame Sitzungen können dort schaden.

Der Donnerstagsbrief

Und wenn du magst: Einmal in der Woche schreibe ich einen Brief an Frauen.

Immer donnerstags. Kurz genug für eine Kaffeepause, und ehrlich genug, dass du dich darin wiederfindest.

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Wenn in deiner Beziehung Gewalt, systematische Abwertung, Kontrolle oder Isolation vorkommen, ist das keine Frage von Kommunikation. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 116 016 erreichbar.