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Wie überzeuge ich meinen Mann von einer Paarberatung?

Von Meryem Erkan · Veröffentlicht am

Am wirksamsten ist es nicht, ihm zu sagen, warum ihr hingehen müsst, sondern was ihn dort nicht erwartet. Fast alle Männer, die sich sperren, haben zwei bestimmte Ängste, und keine davon hat mit der Beratung selbst zu tun. Wenn du sie ihm vorher nimmst, fällt sein Nein oft in sich zusammen.

Die zwei Ängste

Ich arbeite seit Jahren mit Paaren, und bei den Männern kommt fast immer dasselbe zur Sprache, sobald sie einmal da sind.

Die erste Angst: Das ist der Anfang vom Ende.

Für viele Männer bedeutet Paarberatung nicht Reparatur, sondern Vorbereitung. Sie gehen davon aus, dass eine Frau, die professionelle Unterstützung sucht, innerlich schon entschieden hat und nur noch jemanden braucht, der die Trennung begleitet.

Deshalb kommen viele mit dem Satz: Meine Frau hat gesagt, ich muss mitkommen, sonst ist es vorbei.

Die zweite Angst: Frau mit Frau gegen mich.

Das ist die unausgesprochene, und bei einer Beraterin ist sie noch größer. Er stellt sich vor, wie zwei Frauen im Raum sitzen, sich verstehen, und er in der Mitte erklären soll, warum er so ist, wie er ist.

Diese Angst nehmen die meisten Männer nicht in den Mund. Sie sagen stattdessen, dass sie sowas nicht brauchen, dass das Geldverschwendung ist, oder dass man das auch allein schaffen sollte.

Warum ein Ultimatum nach hinten losgeht

“Entweder du kommst mit, oder ich ziehe Konsequenzen.” Das ist der verständlichste und der ungünstigste Weg.

Er bestätigt genau seine erste Angst. Wenn Beratung die Bedingung dafür ist, dass du bleibst, dann ist sie in seinem Kopf bereits Teil des Trennungsverfahrens. Er kommt dann vielleicht mit, aber er sitzt im Raum wie jemand, der eine Auflage erfüllt.

Das kann trotzdem gut ausgehen. In meiner Arbeit bleiben die meisten Männer, die unter Druck gekommen sind, anschließend freiwillig, weil sie merken, dass sie selbst etwas davon haben. Nur ist der Start unnötig schwer.

Es geht leichter.

Die drei Sätze

Kurz, ohne Vorwurf, und keiner davon enthält eine Bedingung.

Der Satz, der seine erste Angst nimmt:

“Ich will nicht hingehen, um uns zu beenden. Ich will hingehen, weil ich nicht aufgeben will.”

Das ist der wichtigste von allen. Für ihn verändert dieser Satz die Bedeutung des ganzen Vorhabens.

Der Satz, der seine zweite Angst nimmt:

“Da sitzt niemand, der mir recht gibt. Sie arbeitet mit uns beiden, nicht für mich.”

Das entspricht der Sache. Eine gute Beraterin ergreift keine Partei. Was im Raum behandelt wird, ist nicht er und nicht du, sondern das, was zwischen euch abläuft.

Der Satz, der den Einstieg klein macht:

“Lass uns einmal hingehen. Danach entscheiden wir gemeinsam, ob wir weitermachen.”

Ein Termin ist eine andere Entscheidung als ein Programm. Deshalb ist es bei mir auch so eingerichtet: Das erste Videogespräch wird einzeln gebucht, und erst danach entscheidet ihr, ob die vier Sitzungen folgen.

Was du ihm vorher sagen kannst

Es hilft erstaunlich viel, wenn er weiß, was dort nicht passiert.

  • Niemand wird gefragt, wer schuld ist.
  • Es wird nicht in der Kindheit gegraben, bis jemand weint.
  • Er muss nicht über Gefühle sprechen, für die er keine Worte hat.
  • Es gibt keine Diagnose und nichts, was in einer Akte landet.
  • Er darf sagen, dass er das Ganze für überflüssig hält. Das ist in der ersten Sitzung keine Seltenheit.

Und was tatsächlich passiert: Es wird geübt. Ihr sprecht nicht über euch, sondern miteinander, und ich unterbreche, wenn es kippt. Für viele Männer ist das die Überraschung, weil sie etwas völlig anderes erwartet haben.

Wenn er trotzdem nicht will

Dann hast du zwei Möglichkeiten, und beide sind in Ordnung.

Du gehst allein. Das klingt nach der schwächeren Lösung und ist es nicht. Eine Dynamik braucht zwei. Wenn du deinen Teil veränderst, kann der alte Ablauf nicht gleich weiterlaufen. Viele Männer kommen übrigens nach ein paar Wochen von selbst dazu, weil sie merken, dass sich etwas verschoben hat.

Du wartest und fragst in drei Monaten nochmal. Manchmal ist der Zeitpunkt das Problem und nicht die Sache. Zwischen Jobwechsel, kleinem Kind und einem kranken Elternteil sagt fast jeder Mensch zu allem Nein.

Was ich nicht empfehlen würde: dreimal im Monat nachfragen. Daraus wird ein eigener Streit, und am Ende streitet ihr über die Beratung statt über das, wofür sie gedacht war.

Wo es nicht um Überzeugen geht

Wenn du Angst vor seiner Reaktion hast, wenn du abgewertet oder kontrolliert wirst oder wenn Gewalt im Spiel ist, dann ist Paarberatung nicht der richtige Weg. Ich arbeite mit solchen Paaren auch nicht, und das ist keine Frage des Könnens, sondern der Richtigkeit. In dieser Lage braucht es zuerst Schutz und eine Stelle, die darauf ausgerichtet ist.

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 116 016 erreichbar, auch wenn du nur sortieren willst, was bei euch los ist.

Was ich dir mitgeben möchte

Die Männer, die bei mir am Ende der ersten Sitzung sagen, dass sie wiederkommen, haben fast alle dasselbe Erlebnis gemacht. Sie haben erwartet, dass sie etwas rechtfertigen müssen, und wurden stattdessen verstanden.

Das kannst du ihm nicht erzählen, er muss es erleben. Was du tun kannst, ist, ihm die beiden Ängste zu nehmen, damit er überhaupt bis dahin kommt.

Ein Termin. Nicht mehr.

Häufige Fragen

Wie bekomme ich meinen Mann zu einer Paarberatung?

Indem du ihm sagst, was ihn dort nicht erwartet. Die zwei häufigsten Ängste sind, dass Beratung der Anfang einer Trennung ist und dass sich zwei Frauen gegen ihn verbünden. Nimm ihm beide, bevor du über Termine sprichst.

Soll ich ihm ein Ultimatum stellen?

Besser nicht. Ein Ultimatum bestätigt genau seine Angst, dass es um die Trennung geht. Er kommt dann eher als jemand, der eine Auflage erfüllt.

Was sage ich, wenn er meint, das brauchen wir nicht?

"Ich will nicht hingehen, um uns zu beenden. Ich will hingehen, weil ich nicht aufgeben will." Dieser Satz verändert für ihn die Bedeutung des Ganzen.

Bringt es etwas, wenn ich allein hingehe?

Ja. Eine Beziehungsdynamik braucht zwei. Wenn du deinen Teil veränderst, kann der alte Ablauf nicht einfach weiterlaufen. Viele Männer kommen später von selbst dazu.

Muss er über seine Gefühle reden?

Nein. Es wird vor allem geübt, und zwar miteinander. Viele Männer sind überrascht, weil sie etwas anderes erwartet haben.

Wann ist Paarberatung nicht der richtige Weg?

Wenn Gewalt, Kontrolle oder systematische Abwertung im Spiel sind. Dort braucht es zuerst Schutz und eine Stelle, die darauf ausgerichtet ist.

Donnerstagsbrief

Und wenn du magst: Einmal in der Woche schreibe ich einen Brief an Frauen.

Immer donnerstags. Kurz genug für eine Kaffeepause, und ehrlich genug, dass du dich darin wiederfindest.

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Wenn in deiner Beziehung Gewalt, systematische Abwertung, Kontrolle oder Isolation vorkommen, ist das keine Frage von Kommunikation. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 116 016 erreichbar.