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Paarberatung oder Paartherapie: Was ist der Unterschied?

Meryem Erkan · Paarberaterin · Zuletzt aktualisiert

Die kurze Antwort

Eine Therapie behandelt seelische Erkrankungen und wird von approbierten Psychotherapeuten oder Heilpraktikern für Psychotherapie angeboten. Paarberatung begleitet gesunde Menschen bei Beziehungsthemen wie Streit, Kommunikation oder Distanz. Wenn eine psychische Erkrankung, eine Sucht oder Gewalt im Spiel ist, ist Therapie meist der richtige Weg.

Kennst du das?

Du suchst Hilfe für eure Beziehung und tippst „Paartherapie" in die Suche. Dann liest du „Paarberatung", „Paarcoaching", „Eheberatung". Alles klingt ähnlich. Du willst nichts falsch machen und fragst dich: Sind wir schon ein Fall für eine Therapie? Oder reicht Beratung?

Warum das passiert

Der wichtigste Unterschied liegt nicht im Wort, sondern in der Frage: Geht es um eine seelische Erkrankung oder um eine schwierige Phase in der Beziehung? Therapie ist Heilkunde. Beratung ist Begleitung.

Viele Paare, die Hilfe suchen, sind nicht krank. Sie streiten immer wieder über dieselben Dinge, reden aneinander vorbei oder haben sich voneinander entfernt. Genau dafür ist Paarberatung gedacht.

Beides hat seinen Platz, und keines ist besser oder schlechter. Wichtig ist, dass ihr das findet, was zu eurer Situation passt. Manchmal ist auch beides sinnvoll, nacheinander oder nebeneinander.

Was macht eine Paarberaterin?

Als Paarberaterin begleite ich Paare, die in ihrer Beziehung feststecken. Wir schauen gemeinsam darauf, was zwischen euch passiert, und üben neue Wege, miteinander umzugehen. Ich stelle keine Diagnosen und behandle keine Erkrankungen.

Typische Themen in der Paarberatung sind:

  • Streit, der sich immer wieder um dieselben Dinge dreht,
  • ein Partner, der sich zurückzieht, während der andere reden will,
  • Distanz und fehlende Nähe im Alltag,
  • Spannungen mit der Familie oder den Schwiegereltern,
  • unterschiedliche Erwartungen, zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes.

Bei mir findet die Paarberatung online per Video statt, auf Deutsch oder Türkisch. In den Sitzungen wird geübt, nicht nur geredet. Ich arbeite dabei mit der Love Reset Methode und ihren drei Phasen: Gehört werden, Den Moment erkennen, Üben bis es hält.

Was passiert in einer Paartherapie?

Eine Paartherapie im engeren Sinn arbeitet heilkundlich. Das heißt: Sie kann seelische Erkrankungen erkennen und behandeln, die das Zusammenleben belasten. Angeboten wird sie von Fachleuten mit psychotherapeutischer Ausbildung und der Erlaubnis, Psychotherapie auszuüben.

Dazu gehört zum Beispiel:

  • eine fachliche Einschätzung, ob eine psychische Erkrankung vorliegt,
  • die Arbeit an Belastungen, die tief in der eigenen Lebensgeschichte liegen,
  • bei Bedarf eine Abstimmung mit ärztlicher Behandlung oder einer Einzeltherapie.

Im Alltag werden die Begriffe allerdings nicht immer sauber getrennt. Manche nennen ihr Angebot Paartherapie, obwohl es eher Beratung ist, und umgekehrt. Deshalb lohnt sich immer die Frage nach der Ausbildung.

Wenn du einen Platz bei approbierten Psychotherapeuten suchst, kann dir deine Hausarztpraxis oder deine Krankenkasse sagen, wie du am besten vorgehst. Das gilt auch, wenn du erst einmal nur klären möchtest, ob eine Behandlung für dich in Frage kommt.

Woran erkenne ich, ob wir Beratung oder Therapie brauchen?

Frag dich, ob ihr im Alltag grundsätzlich zurechtkommt und vor allem miteinander nicht weiterkommt. Dann ist Beratung oft ein guter Anfang. Wenn einer von euch seelisch so belastet ist, dass Schlaf, Arbeit oder Alltag darunter leiden, ist Therapie sinnvoller.

Eher Paarberatung, wenn:

  • ihr euch liebt, aber ständig aneinander vorbeiredet,
  • dieselben Streits immer wieder von vorn beginnen,
  • ihr euch fremd geworden seid und wieder zueinanderfinden wollt.

Eher Therapie, wenn:

  • eine Depression, Angststörung oder andere psychische Erkrankung im Raum steht,
  • ein Trauma oder sehr belastende Erfahrungen nachwirken,
  • eine Sucht das Zusammenleben bestimmt.

Bei Gewalt in der Beziehung gilt etwas anderes: Hier geht zuerst Schutz vor. Danach können spezialisierte Beratungsstellen und therapeutische Hilfe unterstützen.

Kann man Paarberatung und Therapie kombinieren?

Ja, das kann sinnvoll sein. Zum Beispiel, wenn einer von euch in Einzeltherapie ist und ihr als Paar trotzdem an eurem Umgang miteinander arbeiten wollt. Wichtig ist, dass alle Beteiligten davon wissen und es zeitlich nicht zu viel wird.

Sprecht als Paar offen darüber, wofür welcher Raum da ist. Du musst nicht alles aus deiner Einzeltherapie erzählen. Aber es hilft, wenn klar ist, was ihr gemeinsam besprechen wollt und was bei dir allein gut aufgehoben ist.

Wenn sich in der Beratung zeigt, dass ein Thema über Beratung hinausgeht, spreche ich das offen an. Dann ist es kein Scheitern, sich zusätzlich fachliche Hilfe zu holen. Es ist ein verantwortungsvoller Schritt, für dich, für ihn und für eure Beziehung.

Wie finde ich das passende Angebot für uns?

Frag nach Ausbildung, Arbeitsweise und Kosten, bevor ihr startet. Achte darauf, ob ihr euch beide wohlfühlt. Und hör nach dem ersten Termin auf euer Gefühl.

Diese Fragen helfen bei der Auswahl:

  1. Welche Ausbildung hat die Person, und darf sie Psychotherapie ausüben?
  2. Mit welchen Themen arbeitet sie, und mit welchen nicht?
  3. Wie läuft eine Sitzung ab, und wird auch geübt?
  4. Was kostet eine Sitzung, und gibt es einen Vertrag?
  5. Fühlen sich beide Partner gleich ernst genommen?

Wenn ihr am Ende des ersten Termins beide sagen könnt „Hier wurden wir gehört”, seid ihr wahrscheinlich am richtigen Ort.

Für heute Abend

Beschreibt eure Lage in einem Satz.

Versucht, das Problem ohne Schuldzuweisung zu benennen. Zum Beispiel: „Wir streiten seit Monaten über dieselben Dinge und finden danach nicht mehr zueinander." Dieser Satz hilft euch, das passende Angebot zu finden.

Frag nach der Ausbildung.

Bevor du einen Termin buchst, darfst du fragen: „Welche Ausbildung haben Sie, und mit welchen Themen arbeiten Sie?" Wer seriös arbeitet, beantwortet diese Frage gern und offen.

Wann ihr Hilfe holen solltet

  • Wenn du dich seit Wochen niedergeschlagen, leer oder ohne Antrieb fühlst. Dann sprich mit deiner Hausarztpraxis oder mit psychotherapeutischen Fachleuten.
  • Wenn Alkohol, Drogen, Medikamente oder Glücksspiel euren Alltag bestimmen.
  • Wenn alte Verletzungen immer wieder hochkommen und dich so überfordern, dass du kaum noch zur Ruhe kommst.

Wichtig: Wenn in eurer Beziehung Gewalt, Drohungen oder Kontrolle vorkommen, ist gemeinsame Paararbeit meist nicht der erste Schritt. Dann geht deine Sicherheit vor. Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen": 116 016, rund um die Uhr, kostenlos und anonym.

Häufige Fragen

Ist Paarberatung das Gleiche wie Paartherapie?

Nicht ganz. Therapie behandelt seelische Erkrankungen, Beratung begleitet gesunde Menschen bei Beziehungsthemen. Im Alltag werden die beiden Wörter allerdings oft vermischt.

Wer darf Psychotherapie anbieten?

In Deutschland sind das vor allem approbierte Psychotherapeuten, Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Weiterbildung sowie Heilpraktiker für Psychotherapie. Wenn du unsicher bist, frag einfach nach der Ausbildung.

Wann sollte man eine Paartherapie machen?

Wenn neben den Beziehungsproblemen eine psychische Erkrankung, eine Sucht oder ein Trauma eine Rolle spielt. Dann braucht es Fachleute, die das behandeln dürfen. Paarberatung kann das nicht ersetzen.

Übernimmt die Krankenkasse eine Paartherapie?

In der Regel nicht. Eine Psychotherapie für eine einzelne Person mit einer psychischen Erkrankung kann dagegen unter bestimmten Voraussetzungen über die Kasse laufen. Frag im Zweifel bei deiner Kasse nach.

Es geht nicht um das richtige Wort, sondern um die richtige Hilfe für euch.

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Meryem ErkanMeryem Erkan, Paarberaterin und Entwicklerin der Love Reset Methode. Wissenschaftlerin und ehemalige Dozentin an der Universität zu Köln.Meryem Erkan